Blitzschneller Unkrautvernichter
LaserWeeder, Bild: Carbon Robotics
Der Laserweeder bekämpft Unkraut auf dem Acker – KI-gesteuert, präzise und ganz ohne Chemie. Zudem schützt er die Artenvielfalt und unsere Gesundheit. Ein US-amerikanisches Unternehmen macht es möglich.
Das Unkraut auf dem Acker muss weg. Schließlich macht es den Nutzpflanzen Licht, Wasser und Nährstoffe streitig. Soll die Ernte möglichst ertragreich sein, müssen die unerwünschten Pflanzen weichen. Um Unkraut zu vernichten, versprühen konventionelle Agrarbetriebe vor allem chemische Unkrautvernichter wie etwa Glyphosat großflächig auf den Feldern. Doch solche Herbizide stehen nicht nur im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Viele Experten machen sie auch mitverantwortlich für den Rückgang der Artenvielfalt: Bis vor wenigen Jahrzehnten war der Acker Lebensraum für etwa 20 bis 30 Arten von Wildkräutern. Heutzutage zählen Biologen nur noch etwa fünf bis sieben Arten, beklagt der Nabu e. V..
Ökologische Landwirte verzichten deshalb ganz auf Chemikalien und entfernen das Unkraut in Handarbeit. Das chemiefreie Jäten schont zwar Natur und Gesundheit, ist aber sehr zeitintensiv. Je nach Unkrautdichte, Bodenbeschaffenheit und Kulturpflanze liegt der Aufwand bei bis zu 200 Arbeitsstunden pro Hektar für einen einzigen Durchgang mit der Hacke – ein teurer Arbeitsschritt also. Dass chemiefreie Unkrautbekämpfung nicht zwangsläufig mit hohen Betriebskosten einhergehen muss, zeigt der Laserweeder.
KI statt Herbizid: präzises Jäten mit dem Laser
Der Laserweeder wird hinten an einem Traktor befestigt und über die Pflanzen gefahren. Dabei schießt er mit einem Laser gezielt auf Unkraut, lässt aber Boden und Ackerpflanzen unversehrt. Das Unkraut stirbt wenig später ab, da die Hitze des Lichtblitzes das Wachstumszentrum am Stängel schädigt. So können die unerwünschten Pflanzen nicht mehr weiterwachsen.
Kameras, Sensoren und eine KI-gestützte Bildverarbeitung sorgen dafür, dass der Laser nicht die falsche Pflanze trifft. Der Laserweeder speichert während seines Einsatzes unzählige gesammelte Daten ab, die in ein KI-Modell fließen. Auf diese Weise lernt er, immer besser Unkraut von Kulturpflanzen zu unterscheiden.
Von Uber zum Unkrautvernichter
Die Idee, Unkraut mit KI-Unterstützung und Laser zu bekämpfen, stammt von Paul Mikesell, einem Ingenieur aus Seattle. Mikesell war als Ingenieur bei Uber angestellt und beschäftigte sich bereits dort mit Themen wie KI-gestützter Bildanalyse und Deep Learning. In Gesprächen mit Landwirten erfuhr er, wie schwierig und teuer es für sie ist, Unkraut zu bekämpfen. Arbeitskräftemangel, ausgelaugte Böden und mechanische Methoden mit nur mäßigem Erfolg prägen den Alltag vieler Bauern.
Mikesell erkannte die Chance, sein KI-Know-how auf ein konkretes landwirtschaftliches Problem anzuwenden und gründete im Jahr 2018 Carbon Robotics, um sich ganz seiner Geschäftsidee zu widmen. Seit 2022 ist der Laserweeder nun erhältlich, mittlerweile gibt es das System in verschiedenen Größen und Ausstattungen. Das kleinste Modell ist 2,54 Meter breit, das größte etwas mehr als zwölf Meter. Kostenpunkt: zwischen 550.000 Euro und 1,7 Millionen Euro je nach Modell.
Laser statt Hacke
Der KI-gestützte Laseranhänger soll aber nicht nur die Arbeit erleichtern. Er senkt dem Unternehmen zufolge auch die Kosten für die Unkrautbekämpfung um bis zu 80 Prozent. Auf der Webseite von Carbon Robotics berichten zudem Landwirte, dass sie ihren Ertrag dank des Laserweeders um bis zu 50 Prozent steigern konnten, weil ihre Nutzpflanzen nun mehr Platz und Nährstoffe hatten.
Von den Vorteilen des Systems ist auch Hubertus Budde aus Jerxheim überzeugt. Der Niedersachse ist einer der ersten deutschen Landwirte, die den mobilen Laser-Unkrautvernichter einsetzen. Seit 2025 leiht er sich einen Laserweeder von einem Agrarbetrieb aus Sachsen-Anhalt, der das System gekauft hat. Budde nutzt ihn für sein ökologisch bewirtschaftetes Zwiebelfeld. „Damit können wir sehr gut kleine Unkräuter wie Windenknöterich und Gänsefuß vernichten“, sagt er.
Bevor Landwirt Budde den Laserweeder das erste Mal verwendete, waren etwa 30 Arbeitskräfte mehrere Tage lang auf seinem Zwiebelfeld unterwegs, um das Unkraut mit Hacken zu entfernen. Am Ende summierte sich ein solcher Einsatz auf mehrere Tausend Arbeitsstunden. Dank des Laserweeders geht es nun viel schneller und leichter. „Die Maschine braucht bis zu fünf Stunden pro Hektar für jeden Arbeitsgang“, sagt der Bauer. „So spare ich rund 3.000 Euro Arbeitskosten pro Hektar bei jedem Einsatz“, sagt Budde und ergänzt: „Wächst das Unkraut wie im vergangenen Jahr vermehrt, spare ich bis zu 6.000 Euro ein.“
Einsatzplanung: gutes Wetter, kurzes Unkraut
Leider kann Budde den Laserweeder nicht immer nutzen. „Bei Regen zum Beispiel wird es schwierig“, sagt der Landwirt. Der Grund: Das System wiegt je nach Größe zwischen zwei und acht Tonnen – ohne Traktor. „Das Risiko, dass das Gespann in den feuchten Untergrund einsinkt und ihn beschädigt, ist einfach zu groß“, sagt Budde. Zudem beeinträchtigen Regen- und Spritzwasser die Leistung des Lasers und der Kameras. Ein Laserweeder-Einsatz muss also gut geplant sein. Hinzu kommt: „Der Laser funktioniert nur optimal, wenn die Unkrautpflanzen noch klein sind – er schafft es nicht, größere Pflanzen weg zu brennen.“
Budde ist dennoch zufrieden mit dem Erfolg auf seinem Zwiebelacker. Für die konventionell bearbeiteten Flächen seines Hofes komme das Gerät allerdings nicht infrage: „Die Kosten für Ausleihe und Transport sind zu hoch, es rechnet sich dort einfach nicht“, erklärt der Landwirt. Seiner Meinung nach lohnt sich der Laserweeder besonders für Landwirte, die Gemüse nach ökologischen Maßstäben anbauen. Schließlich fallen die Ackerflächen dann meist überdurchschnittlich groß aus.
2,4 Mio. Tonnen Herbizide
werden voraussichtlich 2027 ausgebracht.
Quelle: Statista
33 % weniger Schmetterlinge
lebten 2015 im Vergleich zum Jahr 1990 auf einem Acker, weil weniger Unkraut als Nahrungsquelle zur Verfügung stand.
Quelle: Heinrich Böll Stiftung
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